Metallfassaden stehen für moderne Architektur, hohe Gestaltungsfreiheit und langlebige Konstruktionen. Gleichzeitig zählen sie zu den technisch anspruchsvollsten Fassadensystemen. Einer der häufigsten Gründe für Schäden, Verwerfungen oder Spannungen liegt in Planungsfehlern, die bereits in frühen Leistungsphasen entstehen.
Dieser Beitrag zeigt die typischen Fehler bei der Planung von Metallfassaden und wie sie durch eine fachgerechte Planung von Anfang an vermieden werden können.
Die größte Herausforderung: Längenausdehnung von Metallfassaden
Metallfassaden haben die Besonderheit – materialbedingt – sich thermisch auszudehnen und zu „bewegen“. Hier liegt mit die größte Herausforderung in der Planung neben der Tatsache, dass die thermische Bewegung auch in der Unterkonstruktion aufgenommen werden sollte und kompensiert werden muss.
Je nach metallischer Bekleidung und Größe der Elemente gibt es unterschiedliche Einflussfaktoren, die sich auf die thermische Ausdehnung auswirken. Farbe, Befestigung, Plattengröße, Ausrichtung und Material. Grundsätzlich dehnen sich Metalle unterschiedlich aus: Aluminium und Zink haben die größte Ausdehnung, während Stahl und Kupfer geringere, aber dennoch relevante Längenausdehnungen haben. Daher muss bei allen Metallen eine Ausdehnung von bis zu mehreren mm je Laufmeter berücksichtigt werden.
Hinzu kommt die Tatsache, dass bei mehreren meterlangen oder -hohen Fassadenelementen Ausdehnungen von 6–10 mm keine Ausnahme, sondern die Regel sind.
Planungsgrundsatz: Fugenbreiten sollten grundsätzlich größer als 10 mm ausgeführt werden. Bei langen Elementen oder einseitig begrenzten Bewegungsmöglichkeiten sind 15 mm oder mehr konstruktiv notwendig. Konstruktiv notwendig wird es immer dann, wenn die Ausdehnungen nicht nach links und rechts verteilt werden können, sondern auf eine Seite limitiert sind.
Planung immer von „groß nach klein“ denken
Ein häufiger Fehler ist es, zu früh in Detailanschlüsse einzusteigen. Metallfassaden müssen systematisch von allgemein zu detailliert geplant werden:
- Fassadenansichten & Layout
- Elementaufteilung und Formate
- Plattengrößen und Ausrichtung
- Befestigungssysteme
- Unterkonstruktion
- Detailanschlüsse
Dabei dürfen statische und konstruktive Aspekte niemals außer Acht gelassen werden. Eine optisch schöne Lösung ist wertlos, wenn sie die Ausdehnung nicht dauerhaft aufnehmen kann.
Farbe ist kein Design-Detail, sondern ein technischer Faktor
Neben dem Grundmaterial spielt die Farbe der Metallfassade eine entscheidende Rolle. Je dunkler die Farbe, desto höher die Erwärmung und desto größer die thermische Ausdehnung. Das gilt grundsätzlich für alle Materialien. Eine Klassifizierung der RAL-Farben nach Helligkeit, Temperatur und Farbgruppe ist daher ein wichtiges Planungsinstrument. Grundsätzlich lässt sich allgemein festhalten, dass weiße, gelbe und helle Farbtöne deutlich unkritischer sind als dunkle oder schwarze Oberflächen.
Fazit: Die Farbwahl beeinflusst nicht nur die Optik, sondern direkt auch die Fugenbreiten, Befestigungskonzepte und Elementgrößen.
Fehler bei sichtbaren Befestigungen vermeiden
Kleine Elemente (bis ca 2,0 m) sind anders zu bewerten als Elemente mit 6,0 m oder länger. Bei geschraubten oder genieteten Lösungen wird die Längenausdehnung mittels Langlöcher und größeren Rundlöcher gelöst. Wenn die Löcher nicht mehr abgedeckt werden können, muss auf eine verdeckte Befestigung oder eine weitere Teilung der Fassadenelemente zurückgegriffen werden. Die statistische Machbarkeit und die dauerhafte thermische Bewegung müssen immer gewährleistet sein.
Unterkonstruktion: Fest- und Gleitpunkte richtig planen
Die Unterkonstruktion und die Anschlüsse einer vorgehängt hinterlüfteten Fassade (VHF) ist ein zentrales Element der Funktionssicherheit. Dabei sollte die Unterkonstruktion immer nach dem Fest- und Gleitpunkteprinzip erfolgen. Festpunkte verankern die Fassade unbeweglich, um das Eigengewicht, Wind- und Soglasten abzutragen, während Gleitpunkte die Ausdehnung kompensieren und „nur“ auf Sog- und Druck ausgelegt sind.
Die Ausdehnung der metallischen Bekleidung muss also auch in der Unterkonstruktion aufgenommen werden. Die Unterkonstruktion muss so aufgebaut sein, dass die Bewegungen der Tragprofile aufgenommen werden können. Hierbei dürfen die Tragprofile maximal 6,0 m lang sein (ideal 3,0 bis 4,0 m). Die Befestigung erfolgt mittels Rund- und Langlöcher und die Konsolen sind immer in Festpunkt und Gleitpunkte unterteilt.
Detailanschlüsse: Kleine Fehler, große Wirkung
Gerade in den Details zeigt sich, ob eine Metallfassade langfristig funktioniert. Typische Fehler sind zu enge Anschlüsse, zu kleine Fugen, zu lange und große Platten oder auch die falschen Kombinationen, unsachgemäß befestigte Kantteile oder Übergangsbleche sowie verbundene Bauteile, die eigentlich getrennt hätten bleiben müssen. Die Folgen sind oft durch Unebenheiten, Verwerfungen oder Spannungen an der Außenseite der Fassade sichtbar.
Metallfassaden richtig geplant: langlebig, sicher, nachhaltig
Eine fachgerecht geplante VHF-Fassade mit Metallbekleidung bietet zahlreiche Vorteile:
- sehr hoher Feuchteschutz
- lange Lebensdauer
- geringe Wartungsintervalle
- einfache Austauschbarkeit einzelner Elemente
- hohe Recyclingfähigkeit
- nachhaltige, sortenreine Rückbaubarkeit
- nahezu unbegrenzte gestalterische Möglichkeiten
Fazit
Metallfassaden sind technisch sichere und architektonisch vielseitige Fassadensysteme – vorausgesetzt, sie werden richtig geplant. Wer die Grundregeln zur Längenausdehnung, Befestigung, Unterkonstruktion und Detailausbildung berücksichtigt, schafft eine langlebige, funktionierende und hochwertige Fassade. Gute Fassaden entstehen nicht im Detail, sondern aus einem durchdachten Gesamtkonzept.