Ein Fassadendetail der ENTEGA Energiezentrale

Stahlträger-Optik aus Aluminium:

07.09.2026
Expertenwissen,Projekte

Wie lässt sich die Optik eines massiven Stahlträgers in einer Aluminiumfassade umsetzen? Die ENTEGA Energiezentrale in Darmstadt zeigt, wie eine besondere gestalterische Idee durch individuelle Detailplanung und eine präzise konstruierte Metallfassade realisiert werden kann.

Die Fassade des Gebäudes wurde als Lamellenfassade mit BEMO-UNIKO ausgeführt. Ein horizontal umlaufender Mittelgurt bildet dabei ein prägnantes Gestaltungselement. Er vermittelt die Optik eines durchlaufenden Stahlträgers, besteht konstruktiv jedoch aus einer individuell geplanten Aluminiumkonstruktion.

Individuelle Detailplanung für die Metallfassade

Bei anspruchsvollen Fassadenentwürfen entscheidet sich die Qualität einer Lösung häufig an den Details. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Bauteil nicht nur funktionale Anforderungen erfüllen, sondern zugleich eine bestimmte Material- oder Konstruktionswirkung erzeugen soll.

Für die ENTEGA Energiezentrale übernahm das hauseigene Planungsbüro von BEMO deshalb die technische Ausführungsplanung für zahlreiche individuelle Anschluss- und Sonderdetails. Dazu gehörten die 3D-Modellierung auf Basis des 3D-Aufmaßes, die Verlegeplanung der Sonderkantteile für die Lamellen sowie die Planung des BEMO-DOME-Systems mit bombierten Rechteckrohren und Pi-Konsolen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem mittleren Fassadengurt. Ziel war es, die gewünschte Stahlträger-Optik mit einer leichten Aluminiumkonstruktion zu realisieren und gleichzeitig eine sichere, statisch nachgewiesene und mit der übrigen Fassade abgestimmte Konstruktion zu schaffen.

Wie entsteht die Stahlträger-Optik?

Konstruktiv bildet ein Aluminium-Rechteckrohr das tragende Element hinter der sichtbaren Bekleidung. Darauf wird eine individuell abgekantete Unterkonstruktion aufgebaut, die mit einer sichtbaren Aluminium-Platte bekleidet wird.

Die Materialstärken sind dabei bewusst auf die gewünschte Optik abgestimmt. Für die Unterkonstruktion kommt 4 mm dickes Aluminium zum Einsatz, die sichtbare Trägerplatte ist 3 mm dick. Durch das Zusammenspiel der unterschiedlich dimensionierten Bauteile entsteht die charakteristische Kantenschärfe und die visuelle Massivität eines Stahlprofils, ohne tatsächlich einen massiven Stahlträger einsetzen zu müssen.

Die tragende Konstruktion wird über Pi-Konsolen am Baukörper befestigt. Eine thermische Trennung innerhalb der Konstruktion berücksichtigt dabei die bauphysikalischen Anforderungen der Fassadenunterkonstruktion und erzeugt eine Materialtrennung.

3D-Modellierung für komplexe Fassadendetails

Bei so einer individuellen Fassadenkonstruktion können einzelne Details nicht unabhängig voneinander geplant werden. Riegel, Lamellen, Unterdecke und Unterkonstruktion greifen ineinander und müssen geometrisch und konstruktiv aufeinander abgestimmt sein.

Für die ENTEGA Energiezentrale wurde deshalb ein detailliertes 3D-Modell auf Basis des Aufmaßes erstellt. Dadurch konnten die unterschiedlichen Anschlusspunkte koordiniert und die erforderlichen Produktions- und Montageunterlagen abgeleitet werden.

Die Leistungen von BEMO umfassten neben der Detail- und Verlegeplanung auch die Projektkoordination zwischen den beteiligten Partnern, die Massenermittlung und die statischen Nachweise für die System- und Sonderkonstruktionen.

Gerade bei Sonderlösungen in der Metallfassade schafft die 3D-Planung damit eine wichtige Grundlage: Gestalterische Vorgaben können frühzeitig auf ihre konstruktive Umsetzbarkeit geprüft und mit angrenzenden Bauteilen koordiniert werden.

Gestaltungsidee und Konstruktion gemeinsam denken

Die ENTEGA Energiezentrale zeigt, wie aus einer besonderen gestalterischen Vorgabe ein präzise geplantes Fassadendetail entstehen kann. Die Stahlträger-Optik wird dabei nicht durch einen klassischen Stahlträger erzeugt, sondern durch eine individuell konstruierte Aluminiumlösung innerhalb der BEMO-UNIKO Lamellenfassade.

Das Beispiel macht deutlich, welche Rolle die technische Detailplanung bei individuellen Metallfassaden spielt. Je komplexer die gestalterische Idee, desto wichtiger ist es, Konstruktion, Statik, Fassadensystem und angrenzende Bauteile frühzeitig zusammenzudenken.

Für Architekt:innen und Planende eröffnet das zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten: Auch ungewöhnliche Fassadendetails und Materialwirkungen lassen sich in Aluminium umsetzen, wenn sie von der Entwurfsidee bis zur Montage technisch durchgängig geplant werden.